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Psychosoziale Dynamiken

Psychosoziale Dynamiken

Psychosoziale Dynamiken im Krankenhaus

Was ist so hilfreich an psychosozialen Dynamiken – ein Fallbeispiel

Unsere Welt ist voll von ihnen. Manche empfinden wir als positiv, manche als negativ und störend. Keine Methode der Welt kann psychosoziale Dynamiken verhindern. Wie also soll man auf sie reagieren? Jedenfalls nicht ignorieren, meinen wir, denn wir können stattdessen mit ihnen arbeiten, um uns weiter zu entwickeln.

Da gibt es zum Beispiel den Ärztlichen Direktor, der sich aus einem Konflikt mit seinen Vorstandskollegen herausgezogen hatte. Eigentlich wollte er seinen Kollegen durch seinen Rückzug freie Bahn gewähren. Während einer moderierten Klausurtagung erkennt er, dass sein gutgemeintes Handeln in Wahrheit einem Angriff auf die Konfliktpartner gleichkam. Sie konnten den Konflikt bei bestem Willen nicht lösen, und sprachen seitdem nicht mehr miteinander. 

Gut, dass das Thema in der Klausurtagung auf den Tisch kam. Denn Rückzug entwickelt im Außen eine starke Wirkung, weil wir uns den anderen entziehen und nicht mehr für Kommunikation zur Verfügung stehen. Mit der neuen Erkenntnis, welche Folgen seine Reaktion hatte, wandte sich der Ärztliche Direktor den Konfliktpartnern und Vorstandskollegen wieder zu und der Weg für Kommunikation und eine praktikable Lösung wurde frei. 

Schnelle Reaktionen durch Zeitdruck

Warum neigt man eher dazu, wie der Ärztliche Direktor im Beispiel, Situationen mit aufgeladenen psychosozialen Dynamiken zu meiden? Als Führungskräfte wollen wir mit jeder Situation umgehen können. Zeitdruck und Entscheidungsdruck führen oft dazu, dass wir schnell reagieren, um ein Thema vom Tisch zu bekommen. 

Wir neigen dann oft dazu, nur auf der Sachebene zu handeln und lassen die menschliche Ebene außen vor. Damit bekommen wir das Thema jedoch nicht wirklich vom Tisch. Denn zwischenmenschliche Turbulenzen klären sich nicht von allein. Sie bleiben im System und tauchen bei nächster Gelegenheit wieder auf, sogar meistens in verstärkter Form. 

Wie viel einfacher wäre doch das Arbeitsleben, wenn wir mit diesen Dynamiken bewusster, leichter und schneller umgehen könnten. Und auch keine wertvolle Zeit verlieren würden.

Wie gehen wir mit psychosozialen Dynamiken um?

Relevant ist also, wie wir mit den Dynamiken umgehen. Wie schnell bemerken wir sie? Mit welcher emotionalen Reife nehmen wir sie wahr? Wie schnell erkenne ich meine Verantwortung an dem, was um mich herum passiert? Bleibe ich dran und kommuniziere mit allen am Konflikt beteiligten Parteien, um das Problem zu lösen? Bringe ich den Mut auf, mich zu öffnen und die strittigen Punkte sowie Bedürfnisse der Beteiligten anzusprechen?

Als störend empfundene psychosoziale Dynamiken sind oft Indikatoren für verborgene, ungeklärte Themen. Diese können Führungskräfte und Teams im Arbeitsleben behindern. Sie bieten aber auch die Chance, durch Beachtung und Würdigung zu mehr Bewusstsein, einem besseren Arbeitsklima, Zufriedenheit und mehr Produktivität und Innovativität beizutragen. So betrachtet sind sie eigentlich ein wenig beachtetes Potential. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange wir schon Führungskraft sind oder wie oft uns unsere Aufgaben schon in unangenehme Situationen gebracht haben, die wir bisher erfolgreich auf der Sachebene bewältigen konnten. Irgendwann ist es soweit und wir kommen an eine Stelle, an der wir uns persönlich und unsere sozialen Fähigkeiten weiter entwickeln können. Je schneller wir diese Situationen dazu nutzen, umso mehr profitiert unser Umfeld davon. 

Ihre Heike Sander

Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktieren Sie uns hier. 

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